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installationen | auswahl

Neue Ernte | 2009 | Ein Projekt für den Marktplatz in Eitorf, im Rahmen der Kunstpunkte, gefördert durch das Kulturamt der Stadt Eitorf und durch die CBT Villa Gauhe | Eitorf | 2009

Die 100 Objekte wurden von Bewohnerinnen und Bewohnern der Villa Gauhe gestaltet. Unterstütztung erhielten sie durch Schulklassen aus der Umgebung. Ziel der temporären Intervention war es, eine neue Nutzung des Marktplatzes anzuregen – der vornehmlich als Parkplatz dient(e).

 


bagage | 2008 | perdus dans l’espace | Projektraum Souterrain in den Sophie-Gips-Höfen | Berlin | 2008

perdus dans l’espace Allgemeines Argonautentum. Space is the place.
Joachim Knobloch baut Dinge aus Dingen. Aus einfachen Kunststoffformteilen schachtelt und häufelt er komplexe Objekte, die einen freien Blick in seine Arbeitsweise geben. Aus konkreten Gebrauchsgegenständen werden abstrakte Konstrukte, die ihre ursprünglichen Verwendungsmöglichkeiten in sich tragen, aber darüber hinaus die Möglichkeit aufzeigen die Determiniertheit der Warenwelt zu brechen und Dinge unter subjektiven Aspekten zu konfigurieren. Die industriell genormten Gegenstände werden zu den Materialien einer selbstgeschaffenen Natur. Diese Box ist Inhaltsträger ohne Inhalt. Gedanklich befindet man sich in ihr und ist entrückt von Raum und Zeit. Eine Tonne in der man die Niagarafälle hinunterstürzen kann oder sich als blinder Passagier in einen Frachtraum schmuggelt. Zu den Vehikeln der Vernunft gehört das Konstrukt des Raumes.

Aus der Not des Hineingeworfenseins wurde die Tugend der Imagination. Der Raum wird vermessen, bestimmt und fragmentiert, er wird spürbares Gehäuse, bewohnbare Behausung. Mit Erfindungsreichtum werden Distanzen überwunden, mit großer Betriebsamkeit werden Netze aus Verkehrs- und Kommunikationswegen geschaffen. Im Kopf, im Körper, in der Welt, im Universum richtet man sich ein und räumt auf. Wir kennen unsere Grenzen und wissen auch um die, durch unsere Physis determinierte, geistige Beschränkung, unsere angeborene Betriebsblindheit. Aber sitzen wir wirklich in einem fensterlosen Gefährt und ist der Mensch nur blinder Passagier? Wenn man die Welt als Schatten an der Höhlenwand und Wahrnehmung als das Werk eines Homunkulus in unserem Kopf deutet, schon. In einem Panzer aus nach Erkenntnis suchendem Bewusstsein bewegt man sich langsam und sieht nur durch ein enges Periskop, doch im feinstofflichen Gewande aus unbewussten Reflexen wird die unmittelbare Reaktionsfähigkeit mit der Umgebung manifest. Also zeigt sich, dass der Mensch durch seine Instinkte, sein Unterbewusstsein, seine Einbildungskraft, elementar mit dem Raum verbunden ist. So weist der basale Wille zu Überleben, in gesteigerter Form, der Wille zur Erkenntnis, auf das universelle Prinzip der Räumlichkeit. Auch lang gehegte Gedanken sind Ketten aus kurzen Geistesblitzen. In alle Richtungen und Ebenen vernetzt. Immer in Verbindung, im Wechselspiel. Denken braucht Platz, ist räumlich strukturiertes offenes, erweiterbares Gefüge. Ich bin, was ich denke: Hier bin ich und ich bin Raum.

Olivia Seiling


Landschaftsmodul | 2008 | _ArkadienIrgendwo1.0_ | Ein Projekt mit Renate Frerich | Museum Abtei Liesborn | Liesborn | 2008

_ArkadienIrgendwo1.0_
Vor zwei Wochen wurden die Porträts der SØR-Rusche Sammlung für eine Ausstellung niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts in Rotterdam abgeholt. In dem leeren Raum haben wir jetzt sieben große Kupferstiche des 17. Jahrhunderts nach Nicolas Poussins  Gemälden „Die sieben Sakramente“ ausgestellt. Diese Grafiken wurden vor einiger Zeit dem Museum großzügigerweise geschenkt, restauriert und jetzt zum ersten Mal ausgestellt. Es ist zwar ein Zufall, aber Nicolas Poussin steht in manchen Hinsichten Pate bei der _ArkadienIrgendwo1.0_-Ausstellung. Er und Claude Lorrain änderten die Vorstellung der Landschaft im 17. Jahrhundert, wie wir sehr deutlich in der vorhergehenden Ausstellung niederländischer Landschaften des 17. Jahrhunderts hier im Neubau wahrnehmen konnten.

Selbstverständlich ist das Bild der Natur nicht mit dem Klassizismus Poussins stehen geblieben. Die Gedanken zu Arkadien haben sich mehrfach geändert. Poussins berühmtes Hirtenbild mit einer Grabinschrift „Et in acardia ego“ (ich auch in Arkadien) im Louvre wurde schon von den Romantikern uminterpretiert. Während Poussin die Vergänglichkeit der Glückseligkeit betonte, bezogen die Romantiker „Et in arcadia ego“ auf die individuelle Suche nach dem Glück. Die Ausstellung _ArkadienIrgendwo1.0_ vermittelt ein weiteres Bild von Arkadien und nicht nur da „Arkadienirgendwo“ und „Et in arcadia ego“ im Klang ähneln. „Et in arcadia ego“ ist eigentlich nicht der Titel Poussins Gemäldes. Es heißt „Die Hirten von Arkadien“. Dieses Arkadien ist ein spezifisches dieser Künstler und manchmal das der Personen, die den Künstlern bei der Entstehung der Kunstwerke geholfen haben. Durch das vor uns verwirklichte Bildwerk gewinnen wir Zugang zu diesem Arkadien. Dieser Zugang ist aber nicht zwingend, da er individuell und zeit- und raumbedingt ist.

Renate Frerich zeigt mehrere Arbeiten, wofür sie die Beteiligung von anderen Menschen brauchte. Frerich fragte die Liesborner Kirchgänger nach der Messe im Advent, ob sie ein Foto von ihren Schuhen machen lassen dürfte und ob die Schuhträger etwas dazu sagen wollten. Entstanden ist die Bilderreihe „Am Tor von SS Cosmas und Damian“. Joachim Knobloch arbeitet auch interaktiv mit den Betrachtern bei der Entwicklung vieler seiner Projekte. Bei dem Aufbau der Landschaft hier im Neubau war das kaum möglich. Er hatte zwar Hilfe von der Firma Knauf-Dämmstoffe in Liesborn und Horizonte in Ennigerloh, die das Material und den Transport des Materials spendeten, aber Knobloch musste sein Arkadien selbst aufbauen. Das entstandene Landschaftsmodul des Arkadiens ist natürlich nicht mit Satyrn und Nymphen oder Hirten und Hirtinnen bevölkert. Ein Bild aus Material zeigt eine Kunststofffolien-Gletscherzunge, die über die Schichten eines Gebirges aus Wellpappe, Holz- und Styroporplatten fließt. Aufgetürmt am Raumanfang verjüngt sich der Gletscher am fernen Ende des Raumes, wo er wie maßgeschneidert endet. Eine Landschaft aus Verpackungsmaterial verpackt in einem Ausstellungsraum. Schmelzen kann er nicht, aber zeitlich ist er, ein Arkadien, in dem „Et in arcadia ego“ die Vergänglichkeit in die Glückseligkeit einschließt.

Bennie Priddy


drop-out (duty-free) | Ein Projekt an verschiedenen Orten in Bayenthal und am Rhein, gefördert durch das Kulturamt der Stadt Köln, Kunstraum 28|30 | Köln | 2008


settlement | Eine performative Intervention, mit Jörg Zimmer, gefördert durch das Kulturbüro der Stadt Dortmund, das Stadtplanungsamt der Stadt Dortmund, das Land NRW und K-PLUS | Dortmund | 2006

Intentionen
Öffentlichen Plätzen kommen in einem großstädtisch und industriell geprägten Landschaftsumfeld besondere Bedeutungen zu. Öffentliche Plätze sind gleichermaßen Knotenpunkte des Sozialen, öffentliche Wohnräume, wie auch Treffpunkte der Stadtgesellschaft mit unterschiedlichen Formen von Freizeit- und Kulturangeboten. Plätze sind nicht nur alltägliches Wohnumfeld, sondern ebenso Teil persönlicher Erinnerungen und damit Bestandteil biographischer Geschichte. Innerstädtische Plätze sind, wenn sie sich jenseits der Konsum- und Freizeitzentren befinden, häufig vernachlässigte Nischen der Zukurzgekommenen und Bühne der sozialen Probleme eines Stadtteils. Passagen auf dem Weg in den Rückzugsraum des Privaten. Unser Interesse gilt den Strategien der Revitalisierung des öffentlichen Raumes, dem Platz als zentralen Ort bürgerschaftlichen Lebens.

Unsere Intention ist die Schaffung einer Bürgerplastik, die sich durch aktive Mitwirkung der Anwohner und Passanten verändert und eine Poetisierung des Raumes bewirkt. Gleichzeitig findet eine Videoprojektion in einer Fertiggarage statt, die teilweise ortsbezogen im Vorfeld erstellt wurde und während des Projektes durch Interviews mit Akteuren und Passanten ergänzt wird. Die gewählten Orte – der Flensburger Platz und die Heroldwiese sind schön. Konkret, der Flensburger Platz ist eine Schnittstelle von Straßen, ein Treffpunkt, ein umfriedeter Ort, somit geeignet für ein Projekt, das Anwohner und Passanten verbindet.

Die Heroldwiese eine grüne Miniaturlandschaft innerhalb dichter Wohnbebauung. Beide Orte könnten als städtebauliche Einheit gedacht werden, wäre da nicht der Bahndamm, der wie eine Mauer zwischen den Plätzen steht. Eine Fußgängerunterführung die unter ihm hindurchführt erscheint uns als angstbesetzte Schleuse, denn als Passage. Unser Projekt denkt alle drei Orte zusammen. Die Unterführung wird zur Schnittstelle umfunktioniert, hier erhalten die potentiellen Teilnehmer – angeregt durch eine Karton-Installation – weitere Informationen für den Projektteil auf der jeweils anderen Seite des Tunnels.

Jörg Zimmer | Joachim Knobloch


Himmel auf Erden | 2004 | Bhula-Bhula | Ein Projekt im Kunsthaus Essen | Essen | 2004


_INTER_VALL_ | 2004 | cum grano salis | Ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 | Kulturforum Rheine | 2004

cum grano salis
Am 20.06.04 wurde sie eröffnet, die Ausstellung cum grano salis, die einer kunstspartenübergreifenden Projektreihe mit wissenschaftlicher Begleitung den Namen gab. Das Kulturforum Rheine und die Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit in Münster planten das Projekt gemeinsam, dessen künstlerische Ergebnisse im Park der Saline: Gottesgabe wir in einer kleinen Reihe vorstellen möchten: An der nordwestlichen Begrenzung des Salinenparkes arrangiert der Inhaber eines Büros für Kompletive Konstrukte, der Künstler Joachim Knobloch, seine Arbeit _INTER_VALL_.  Insgesamt 12 Segmente aus feuerverzinkten Bauzaunelementen, einseitig ganzflächig mit sogenannten Schneefangzäunen verkleidet, erstrecken sich dort in vier langgezogenen Bögen unter Brechung der Symetrieachsen des Parks und überziehen selbigen mit einer neuen Gliederung. Die rot-orangefarbige, in (Salz-) kristalliner Oktogonform gelochte Folie an den Zaunelementen – an rote Lungenflügel erinnernd – setzt zwingende geometrische Lineaturen in die Landschaft, welche durch die geordnete Perforierung einen semitransparenten Charakter entfalten.

Die konzentrisch gestaffelten Zaunreihen fungieren als Filter für die gesunde salzgeschwängerte Luft der Saline (erster Arbeitstitel: Salzfänger) ebenso, wie sie das Sehen durch eine konträre Neugliederung des Raumes filtern. Indem des Künstlers begrenzende Reihungen die Wege des Parks durchkreuzen, schaffen sie Orte, die Details der Arbeit darlegen. Statt jedoch Inhalte anzubieten, liefern diese den Rahmen für eine atmosphärische Grundrichtung. Wirklich fassbar wird die Arbeit auch beim durchschreiten nicht. Sie überlässt den Betrachter in einem Gefühl der gestörten Ordnung, einer widerstrebenden Neuordnung, die dem Parkraum dort ihre eigene Kontur einschreibt. Der Künstler unentwegt auf der Suche nach neuen Richtungen und Zielen, geht seinen eigenen Weg und hinterläßt eine „Plastik als Handlungsform“.

Folgen wir seinen Spuren durch reusenartige Strukturen, entlang an Zaunverdichtungen, die Anmutungen an die Konzentration des Salzes im Gradierwerk herstellen. Sprachgeschichtlich bezieht sich Knobloch somit auch auf den Ursprung des Wortes „Garten“ im indogermanischen „ghorto-s“, dem Flechtwerk, dem Zaun, der Hürde, dem Eingehegten. Er verwandelt die Wirklichkeit der Landschaft durch das Zusammenwirken, Zusammenflechten verschiedener neuer Sinneseindrücke auf dem Boden der bestehenden Ordnung und macht sich dabei – wie schon die Kunstgärtner der Renaissance – Techniken aus Geometrie, Perspektive und Architektur, ja aus der Malerei zu eigen.

Dietmar Schmale


RUNDHERUM … EIMERWEISE OBERBILK | 2004 | Ein Projekt für PLATZDA!, eine Initiative des Stadtplanungsamtes der Stadt Düsseldorf zur Gestaltung des öffentlichen Raumes | Düsseldorf | 2004

Während einer mehrtägigen Aktion konnten Passanten an der Gestaltung des Objektes mitwirken. Die mehr als 1000 bunten Eimer – an einem Bauzaunrund – spielten auf den multikulturell geprägten Stadtteil Oberbilk an. Der soziale Brennpunkt wurde durch die Aktion mit Leben erfüllt und unterschiedliche Menschen empfanden den Ort als lebendigen Treffpunkt.


Zwischenfeldversuch | 2002 | Der Dampfer fährt am Botanischen Garten vorbei | Museum Folkwang präsentiert gestaltete Garagentore | Deubau | Messe Essen | 2002

Kompletive Konstrukte
In seinem Werk setzt sich Joachim Knobloch intensiv mit den Möglichkeiten und Aufgaben des Begriffs der Skulptur auseinander. Angeregt durch seinen Aufenthalt in Paris war Knobloch zur Produktion kleiner, leicht zu transportierender Kunstwerke übergegangen. Mit Farbe und Kunststoffen gefaßte Arbeiten aus der Serie der Petitessen sind noch als Skulpturen, andere aus Pappmaché relativ eindeutig als Plastiken anzusprechen. Bei diesen Arbeiten der späten neunziger Jahre versuchte Knobloch die Wirkung des handgemachten Kunstgegenstandes durch vielfältige Überarbeitungen mit Kunststoffen und Farbe abzumildern und die Oberflächen seiner Objekte immer glatter oder technoider erscheinen zu lassen.

Knoblochs kleinformatige Arbeiten wirken durch die teils leuchtend bunte Farbigkeit kindlich, scheinbar unernst und nehmen den Betrachter in ihrer rundlichen Handlichkeit für sich ein. Mit gefundenen, fertig gekauften Materialien lassen sich diese Wirkungen präziser und sogar mit weniger Aufwand erzeugen. Joachim Knoblochs Werkstrategie widerstrebt ein von der Anhäufung vieler Kunstgegenstände begleitetes Oeuvre und führte den Künstler schließlich zur Entwicklung der Kompletiven Konstrukte als radikaler Form der Kunstherstellung. Dabei werden industriell gefertigte Produkte vor allem aus Kunststoff in die Arbeit einbezogen, da diese für den Künstler eine bereits optimierte Form gefunden haben, die durch ein künstlerisch geformtes Einzelstück – auch im gleichen Werkstoff – schwer zu erzielen ist.

Knobloch möchte seinen Eingriff in die Welt der Dinge möglichst reversibel gestalten. Gerade bei großformatigen, raumgreifenden Arbeiten bietet sich eine ökonomische Nutzung des Materials an. Im Idealfall möchte Knobloch die ausgewählten Produkte nur auf Zeit in ein Kunstwerk verwandeln, um sie nach Ablauf der temporären Nutzung für die Installation in einer Ausstellung an den Hersteller zurück zu geben.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde der Künstler durch drei Objekte mit dem Namen: Tischchen deck dich bekannt. An Gestelle aus Metall konnten BürgerInnen mit Kabelbindern weiße und durchsichtige Kunststoffbecher anbringen. Die so entstandenen Kunstwerke evozierten in den Betrachtern Assoziationen an tierische Charaktere und wurden häufig als Elefanten oder Schafe bezeichnet. Wie bei den Petitessen war auch die Anmutung der großen Objekte für den öffentlichen Raum positiv besetzt. Vielen Objekten von Joachim Knobloch ist trotz der künstlichen Materialien eine Anmutung des Lebendigen zu Eigen.

Colmar Schulte-Goltz


Tischchen deck dich | 2001 | Tische der Kommunikation | Ein Projekt der mobilen Städtischen Galerie im Museum Folkwang | Essen | 2001

Tischchen deck dich – eine Geschichte der Transformation
Ein schlichter Holztisch verwandelt sich nach der Aufforderung: „Tischchen deck dich“ zu einer reich gedeckten Festtafel. Eine Geschichte also einer optischen – leerer Tisch wird zu gedecktem – als auch einer qualitativen Transformation, einer Aufwertung, die vor allem auf das Hauptmaterial der Verwandlung, das Essen, zurückzuführen ist. An diese Verwandlungsgeschichte aus Grimms Märchenwelt referiert sich der Titel des werdenden Werkes: Tischchen deck dich, das vom 9. bis zum 21. August 2001 auf dem Limbecker Platz in Essen aufgestellt wird. Wie im Märchen erlebt man auch hier zunächst eine optische Verwandlung, die jedoch nicht augenblicklich, sondern innerhalb von zwei Wochen geschieht. Drei schlichte Gerüste aus Vierkantstahlrohrverbindungen werden zu Haltern von wolkenförmigen Gebilden aus an Drahtschlingen und Kabelbindern befestigten Kunststoffnäpfen.

Wichtige Neuerung in Abgrenzung zum Märchen ist dabei, daß nicht mehr magische Worte die Verwandlung bewirken, sondern daß die Essener BürgerInnen aufgefordert sind, die Tischchen zu decken, indem sie bereitstehende Kunststoffnäpfe an den Gerüsten befestigen können. Aber wie steht es mit der qualitativen Transformation? Diese Frage läßt sich beantworten, wenn wir das Hauptmaterial der Transformation bewertet haben – die Kunststoffnäpfe. Diese Kunststoffnäpfe, im Alltagsleben auch als Joghurtbecher bekannt, stehen für den – durch die berühmte folgende Trias adjektivisch auf die beKante Nähe von Ästhetik zur Ethik verweisend – schönen, wahren, guten Wertstoff des dualen Systems. Diese Hüllen zur Lebensmittelaufbewahrung sind mit einer Reihe von Emotionen sowie Handlungen der Wertschätzung als auch der Ablehnung verbunden. Bedruckt mit einem bunten Etikett und gut verschlossen lockt der leckere Inhalt zum Kauf. Doch schon gleich nach dem Verzehr des Inhaltes wird die gerade noch so verlockende Hülle zum Symbol des Ekels: Abfall!.

In geradezu konträrem Umgang zur beschriebenen Emotion wird nun jedoch dieser säuberlich geputzt, getrocknet und getrennt gehortet in gelben Säcken, freigegeben zur alltäglichen Transformation des Recyclings. In diesen profanen Kreislauf sind die hier verwendeten Näpfe nie gelangt. Als unvollendete Elemente von diesen ausgeschlossen, sich nackt ohne Etikett präsentierend, sind sie allein Träger ihrer ursprünglichen Qualitäten. Ausgezeichnet durch reine Rundungen, glatte Oberflächen und makellose Farben werden sie gleich einem Objekt der Moderne, auf assoziativer Ebene in die Nähe von Ideen des Bauhauses gerückt, zum Gegenstand der ästhetischen Betrachtung erkoren. Desweiteren verweisen sie in ihrer, zum Trotze kurzzeitiger Verwendung, unkaputtbaren Elastizität auf Langlebigkeit – ein Zeichen der Qualität. Die Eingangs gestellte Frage somit wohl mit – Ja – beantwortend läßt sich schließen: Tischchen deck dich – (Frei nach den Gebrüdern Grimm) – doch in ihrem Sinne.

Vera Herzog


Ready-Blue-XXL | Monokultursprung | 2000 | _daß alles bleibt wie es ist_ | KunstVerein Ahlen | Ahlen | 2000

_daß alles bleibt wie es ist_ (Und nur der Humor kann die Situation retten – Marcel Duchamp, 1961)
Joachim Knobloch entwickelt seine jüngsten Arbeiten aus rein funktionalen Produkten: Kunststoffbehältern verschiedenster Ausformungen, Plastikfolien und Plattenwerkstoffen. Ausgangspunkt seiner künstlerischen Arbeit ist immer auch eine Faszination an der vorhandenen Warenpalette. Eine Aura extremer Nutzbarkeit umgibt deshalb auch die Arbeiten von Joachim Knobloch. Trotzdem sind seine Arbeiten keine Ready-mades, die entscheidenden Erkennungsmerkmale ihrer Zweckdienlichkeit wurden ihnen genommen. Die moderne Warenästhetik und ihre Produkte bilden vielmehr den Ursprung seiner Überlegungen und künstlerischen Arbeit. Heute ist die Welt geprägt von einer schier unüberschaubaren Flut an mehr oder – in den meisten Fällen – eher weniger nützlichen Produkten. Die moderne Form der Zivilisation zeichnet sich durch eine starke Lust an der Produktion von Dingen aus, die das alltägliche Leben erleichtern und verschönern wollen. Die Werbeindustrie muß die Verbraucher in der Folge von dieser nämlichen Nützlichkeit überzeugen, da sich die Sinnfälligkeit häufig nicht mehr ohne weiteres nachvollziehen läßt. Nicht selten sind die in der heutigen Produktpalette angebotenen Waren nur noch von Spezialisten einsetzbar, nur über die Bezeichnung erschließt sich ihre Wirksamkeit.

Wir leben in der schönen neuen Welt, die zu immer phantasiereicheren Kapriolen und zum Konsum dieser anleitet. Ein Zustand, der aus Sicht der Konsumgesellschaft durchaus wünschenswert ist und an dem es festzuhalten gilt damit alles bleibt wie es ist. Joachim Knoblochs Installationen aus auf den ersten Blick funktional wirkenden Objekten, erweisen sich jedoch auf den zweiten Blick als funktionslos. Die Objekte von Joachim Knobloch sind niemals monumental oder massiv. Häufig können die einzelnen Bestandteile des Werkes auch nach der Fertigstellung auseinander genommen und handlich verstaut werden. Über das plastische Werk hinaus betrachtet kann diese materielle Beweglichkeit gedankliche Flexibilität evozieren. Dessen ungeachtet ist Joachim Knobloch ein Bildhauer in fast klassischem Sinn. Zwar sind seine Werkstoffe nicht mehr Marmor, Holz oder Stahl, gleichwohl erschafft er durch abtragen und hinzufügen von Materie eine neue Gegenständlichkeit neben der bereits existierenden.

Andrea Fink

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